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Biography of Friedrich Porges, by Nasila Berangy (2004) : click here

Novel writer and movie director, son of the banker Ludwig Porges.
Born in Vienna on July 14, 1890 ; died in Hollywood in 1977.
He studied philology at the University of Vienna and, apart from that, was interested in journalism.
Before W.W.II, he was a writer at the daily newspaper "Die Zeit", then at the "Morgen"(1924).
Playwright for the film company "Sascha Messter" and "Sascha".
Later he worked as a writer at the newspaper "Wiener Sonn- und Montagszeitung".
Finally he moved to film control.
In 1924, Porges became writer in chief at the theater review "Bühne" and correspondent of the Viennese theater for the Berliner newspaper "Berliner Zeitung am Mittag".
In 1938, he emigrated to England via Switzerland. He worked as a journalist in London until he emigrated to the United States in 1945. He then became the correspondent of many newspapers and radio stations.
He published his own newspaper "Allgemeine Theaterzeitung " (1912/13) and the weekly magazine "Mein Film".
In addition to many articles on theater, art and the artists, he published the following :

Dramas :
Licht (Lumière) 1908
Die Helden (Les héros) 1909
Der tote Wille (La volonté morte) 1910
Der wunde Punkt (Mettre le doigt sur la plaie) 1917
Chercher la femme 1917
Der Gast von anderswo (L'hôte d'ailleurs) 1918
50 m Kinoweisheit (50 m de connaissance du film) 1919
Einbruch (Cambriolage)1920.

Novels and tales:
Filmregie, Filmaufnahme, Filmdarstellung. (La régie, la prise de vue et la présentation du film) 1919
Der Schritt ins Dunkel (Le pas dans l'obscurité) 1919
Die Liebe des Thomas Hill (L'amour de Thomas Hill) 1920
Das doppelte Ich (Le double moi) 1921
Revolution, Ein junger Mann sucht Abenteuer (Un jeune homme cherche aventure) 1924
Don Juans Abweg (La fausse route de Don Juan) 1925
Sie will zum Film (Elle veut faire du cinéma) 1926.
Aus der Werkstatt eines Erfahrenen über Filmdichtung. (De l'atelier d'un connaisseur de la poésie cinématographique)
Das Harry Liedke- Buch(Le livre de Harry Liedke) 1928
Vom Film, vom Tonfilm, von Filmstars und von Kinomatographie (Du film, du film parlant, d'acteurs et de cinématographie) 1928
Mensch in Fesseln. (L'homme enchaîné) Drame autour de H.Heine 1930
Schatten erobern die Welt (Les ombres conquirent le monde) 1946 (see below)
Wie Filme und Kino wurden (Le devenir des films et du cinéma) 1946.

Films :
Die Nacht de Mary Murton (La nuit de Mary Murton) 1921
Die Tochter des Brigadiers (La fille du brigadier) 1922
Das verlorene Paradis (Le paradis perdu), Der Film im Film (Le film dans le film) les deux 1923
Der Marquis de Bolivar, Adam und Eva.

"Mein Filmbuch "(Mon livre de films) - "Die Bücher vom Film "(Les livres de films etc.)

Source : Große Jüdische National


"Schatten erobern die Welt - wie film und Kino wurden"
[Shades conquer the world ]
by Friedrich Porges
published in 1946 by Verlag für Wissenschaft, Basel

Foreword
SCHATTEN EROBERN DIE WELT

VORWORT

Wer weiss um die Geheimnisse der Welt? Wir ahnen, dass eine ordnende Macht Planeten und Gestirne in regelmässigem Wandel um die Sonne hält. Die Wissenschaft hat allerlei aufbauende und zerstörende Kräfte in der Natur entdeckt und sie entweder dem Wohl der Menschheit dienstbar gemacht oder sie den Selbstmordwaffen der Völker zugesellt. Wir stehen am Anbeginn einer Epoche, die mit der Zersplitterung der Atome neue Geheimnisse der Natur preisgeben wird. Das atomische Zeitalter scheint von den Wissenschaftlern als die letzte Station auf dem Weg zu rest- loser Enthüllung kosmischer Verborgenheiten betrachtet zu werden.

FOREWORD

Who knows about the secrets of the world? We anticipate that an ordering power holds planet and stars in regular change around the sun. The science has discovered all kinds of constructing and destroying forces in the nature and has done them either to the well-being of mankind or has joined them to the self-murder weapons of the peoples. We stand at the beginning of an era which will reveal new secrets of the nature with the Zersplitterung of the atoms. The atomic age seems to be considered by the scholars as the last station on the way to complete exposure of cosmic seclusion.


[ This is a computer generated translation!
We encourage volunteers to provide us with a good English translation ]

Und doch, -die über uns waltende, uns unbekannte Macht und Grösse, von deren Wirken sogar das Leben des Individuums be-einflusst ist, schenkt den Menschen das Wissen um diese Welt nur nach und nach, in kleinen Dosen. Und sogar die WissenschaftIer selbst, die Lebensarbeit an Entdeckung und Erfindung setzen, kommen nur ganz langsam -im Laufe von Jahrzehnten und Jahrhunderten -zu entscheidenden Erkenntnissen.

Das Mittel, mit dem die Allmacht den Menschen in die Geheim- nisse der Natur einweiht und seine wachsende Klugheit und Reife erprobt, ist -der Zufall!

Wir nennen es Zufall, wenn Ueberraschendes zu Gutem oder zu Bösem uns begegnet.

Allein, es ist nicht Zufall! Es gibt vermutlich keinen Zufall, der sinnloses Geschehen und Resultat zeitigt, in grossen Dingen nicht .und nicht in anscheinend unwichtigen.

Im Alltagsleben des Einzelnen wird Zufall zu Bestimmung. Zufall gibt unserem Dasein oft entscheidende Wendung. "Zufall" lenkt Schicksal !

In der Wissenschaft und Forschung bringt Zufall immer einen logischen Schritt nach vorwärts in der Entwicklung einer Theorie oder einer Technik. Und das macht den Zufall so verdächtig als eine Art von vorbereitetem, geplantem Wink und Ratschlag --, so deutlich, so überraschend klar sich einfügend in das Wesen einer vorbedachten Ordnung irn Kosmos!

Es kann freilich nicht die Aufgabe dieses Buches sein, einer neuen Welt- und Naturphilosophie Ausdruck zu geben, obgleich es in seiner leichten, fast spielerischen Weise immerhin Einblick in das Wirken höherer Naturkräfte gewährt, -- dem, der zu schauen verstcht.

Was hier erzählt wird, ist ein Abschnitt aus der Entwicklungsgeschichte einer einzigen Technik, die dazu berufen war, eines Tages sogar Literatur und Kunst und Musik zu neuern packendem Ausdruck zu verhelfen: der Kinematographie.

Auf dem Wachstumsweg dieser wissenschaftlich begründeten Technik erschien immer aufs neue der "Zufall" als ein pfadfinder und Ratgeber, bis Forscher und Techniker, seinen Winken und Anweisungen folgend, zu wertvollen Erkenntnissen gekommen waren.

Abzweigungen der Hauptstrasse, auf der die Erfinder zu dem Effekt des lebenden und tönenden Bildes gelangten, führten zum Radio und zur Bildtelegraphie. Bis eines Tages die Seitenpfade sich mit der Hauptlinie wieder vereinigten und eine neue, kom- binierte Technik ins Leben trat, die ihren vorläufigen Höhe- punkt irn ferngesendeten, tönenden Bild, in der Television ( dem Fernsehen) gefunden hat.

Das Jahr 1946 wird der Markstein des Beginns einer Epoche der Fernsehtechnik und Fernsehkunst sein, denen sich auch noch der Film als Telefilm, Fernsehfilm, zugesellen wird. Das Fern- seh-Kino, wie es in London bereits irn Jahre 1939 zu praktischer Erprobung kam, kann als die nächstfolgende Stufe der Entwicklung einer Technik und einer Kunst betrachtet werden, deren Ursprung sich auf Jahrtausende zurückverfolgen lässt, da primitive Schatten als ihre Herolde und Vorläufer in Erscheinung traten.

Dies ist nicht eine trockenem Tatsachenmaterial folgende Geschichte der Kinematographie, die "Vom Schattenbild zum Fernsehbild" betitelt sein müsste. Was hier erzählt wird beginnt mit einer "Geschichte des Zufalls und seiner Folgen", des Zufalls, der auch in dem vorliegenden Fall der Kinotechnik zum mysteriösen, geistigen Urheber technischer Erfindungen und ihrer Verbesserungen geworden ist.

Freunde des Films und Leute, die auf eine nicht zu beschwerliche und beschwerende Weise ihr Wissen um den Gegenstand zu erweitern wünschen, werden aus den einfachen "Geschichten", die da erzählt sind, sich selbst die "Geschichte" des Films und der Kinematographie bauen und zurechtlegen können, wobei Zusatzbemerkungen und Illustrationen ihnen zuhilfe kommen werden.

Und es ist nicht bloss die Geschichte einer Technik, sondern die Entwicklung einer Kunst, deren weltumspannende Bedeu-tung auch für die Erziehung der Massen und für das gegenseitigeVerständnis der Völker dieser Erde von Tag zu Tag wächst.

Zufälle haben den "Schatten" zum universalen, auf tausende vonMeilen sichtbaren und hörbaren Sprecher und Befürworter eines dauernden Friedens auf Erden gemacht.

Wer zweifelt noch an ""Zufällen"" als Teilgaben in Vorbereitung des "grossen Geschenks", das am Ende der Menschheit noch wird ?

Es geht nur noch darum, dass die Menschen richtig verstehen, was ihnen in den Schoss gefallen ist und die Gaben nicht zumFluch, sondern zum Segen der Menschheit anwenden!

Wie zum Beispiel den Film, Bild und Ton und Wort weltferngesendet, als Künder eines Zeitalters der Erhebung, der Freude und des ungeteilten Friedens unter allen Völkern der Erde, den keine atomische Kraft zerstören soll und darf!

Hollywood, Herbst 1946

Friedrich Porges

 

And, nevertheless, ruling, us unknown power and the size by whose work even the life of the individual is affected gives to the persons the knowledge around this world only gradually, in small boxes. And even the knowledge sheep animal which set life work on discovery and invention, come only completely slowly in the course of en and to to centuries crucial knowledge.

The means with which the omnipotence initiates people into the secrets of the nature and tests its growing cleverness and maturity is the chance!

We call it chance if surprising to good or to bad evil meets us.

Alone, it is not a chance! There is probably no chance which produces senseless events and result, not in big things and not in apparent unimportant.

In everyday life of the separate chance becomes determination. Chance often gives our existence crucial idiom. "Chance" steers destiny!

In the science and research chance always brings a logical step after forward in the development of a theory or a technology. And this does the chance so suspiciously as a sort of prepared, planned sign and advice-, so clearly, so surprisingly obviously adapting in the nature of a before-considered order in cosmos!

The goal of this book can not be, of course, to give expression to a new world and nature philosophy, although it grants, nevertheless, look at the work of higher natural forces in its light, almost playful way, - to look he verstcht.

What is told here, is a section from the history of the development of a single technology which was developed to help one day even literature and art and music to a new packing expression: the cinematography.

On the growth way of this scientifically reasonable technology the "chance" appeared always afresh as a boy scout and counselor, to researcher and technical engineer, to its signs and instructions following, to valuable knowledge had come.

Forks of the main street on which the inventors got to the effect of the living and sounding picture led to the radio and to the picture telegraphy. Since one day the side paths reunited with the main line and a new, combined technology stepped into the big which has found their(her) temporary climax irn far-sent, sounding picture, in the tele vision (television).

1946 will be the landmark of the beginning of an era of the television engineering and television art to which also still the film will join as a tele film, telefilm. The far-visual cinema how it came in London already in 1939 for practical test, can be considered the next step of the development of a technology and an art the origin of which can be traced back on millenniums, because primitive shades appeared as their heralds and precursors.

This is no dry fact material the following history of the cinematography which would have to be given a title " by the silhouette to the television picture ". What is told here begins with a " history of chance and its consequences ", the chance which has also become in the present case of the cinema technology the mysterious, mental author of technical inventions and their(her) improvements.

Friends of the film and people, in a not too cumbersome and weighting way their knowledge around the subject wish to extend, become from the simple "stories" which are told there, can be founded the "history" of the film and the cinematography and arrange and addition observations and illustrations to them zuhilfe will come.

And it is not only the history(story) of a technology, but the development of an art whose global importance(meaning) also grows for the education of the masses and for gegenseitigeVerst…ndnis of the peoples of this earth from day to day.

Chances have the "shade" to the universal, on thousands of vonMeilen visible and audible speakers and advocates of a peace on earth made to last.

Who still doubts "chances" as partial gifts in anticipation to the "big present" which becomes at the end of mankind still?

It goes only about the fact that people understand correctly what they liked in the shot and the gifts not zumFluch, but apply to the blessing of mankind!

As for example the film, picture and sound and word weltferngesendet, as a Künder of an age of the elevation, the joy and the undivided peace among all peoples of the earth which no atomische force should destroy and may!

Hollywood, autumn, 1946

Friedrich Porges

 


FRIEDRICH PORGES
by Nasila Berangy
<nasilaberangy@hotmail.com>

17. März 2004

INHALTSVERZEICHNIS

Einleitung

  1. Friedrich Porges
    • Friedrich Porges: Seine Werke
    • Friedrich Porges: Sein Leben
    • Friedrich Porges: Der Herausgeber
    • Friedrich Porges: Der Kritiker
    • Friedrich Porges: Seine Tätigkeit beim Aufbau
  1. Brief an Robert Neumann
  1. Korrespondenzen zwischen Mimi Grossberg und Friedrich Porges
    • Analyse der Korrespondenzen

EINLEITUNG

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Biographie des verstorbenen Exil- Journalisten, Schriftsteller, Regisseur und Drehbuchautor Friedrich Porges.

Die Literaturrecherche hat sich entgegen aller Erwartungen recht schwierig erwiesen. Obwohl Porges ein stetig arbeitender Mensch war und sich beruflich auch verwirklichen konnte, ist trotzdem sehr wenig über ihn publiziert worden. Sowohl im Internet, als auch in den meisten Nachschlagewerken und Lexika ist keine vollständige Biographie zu finden war. Leider konnte der österreichische  P.E.N. Club, in dem Porges seinerzeit Mitglied war, keine Information zu seiner Person geben, da die Nationalsozialisten alle Dokumente verbrannt haben. So stehen dem P.E.N. Club keine Informationen über ehemalige Mitglieder zur Verfügung. Das Kulturinformationssystem des österreichischen Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur, hat ebenso wenig Auskunft über Porges Biographie erteilen können. Das jüdische Museum und ihr Archiv verfügen auch über keine Informationen. Ebenso wenig das amerikanische Konsulat und das American Research Center in Wien. Folgende amerikanische Bibliotheken, Archive und Institutionen wurden angeschrieben: Jewish Historical Society of the Southern California, Leo Baeck Institute, YIVO Institute for Jewish Research, American Historical Society, Wiesenthal Institute, NYPL Institute. Letzteres verlangte für die Recherche pro Stunde $ 75. Alle anderen hatten leider keine Informationen über Porges. Die Zeitschrift Aufbau, für den Porges, bis kurz vor seinem Tod noch tätig war, antwortete nach mehreren Anschreiben bis heute nicht. Ebenso wenig wie Voice of America (Porges war auch hier in der Redaktion tätig) und der Fischer Verlag in Deutschland. Die österreichischen Zeitungen und Zeitschriften für die Porges regelmäßig Artikel verfasst hat, verfügen auch über keine Informationen.

Es ist ein mühsamer Weg Material über Porges Biographie zu sammeln, da er meist anonym gearbeitet hat. Nichts desto Trotz konnten einige wenige Informationsquellen gefunden werden. Einen guten Überblick über die Werke von Porges bietet die Internet-Seite www.porges.net. Mein besonderer Dank gilt dem Personal des Katalogs der Nationalbibliothek, mit deren Hilfe ich die Mikrofilm-Daten über Porges gefunden habe. Als eine Fundgrube sollte sich auch die Exilbibliothek des österreichischen Literaturhauses herausstellen. Dort fand ich die Korrespondenzen von Mimi Grossberg, selbst Exiljournalistin und einst aus Österreich vertrieben, mit Friedrich Porges. Teile dieser Korrespondenzen wurden bewusst 1:1 übernommen, da so am besten ein Eindruck über den Menschen Friedrich Porges gewonnen werden kann, wie zum Beispiel  seine penible Genauigkeit, wenn es um die Daten zu seiner Person ging, oder aber seine aktive Rolle im europäischen als auch amerikanischem Journalismus.

Grossberg schickte Porges wie in den Briefen vereinbart eine Kopie des verfassten Textes über seine Person an ihn, der in einem Katalog über österreichische Autoren und

Schriftsteller erscheinen sollte. Für die vorliegende Arbeit ist hier von besonderem Interesse der genaue Geburtstag von Friedrich Porges: 14. Juli 1890. In der Sekundärliteratur wird viel über sein Geburtsdatum spekuliert. 1896 oder 1906 sind zwei oft angegebene Geburtsdaten. Durch die Korrespondenzen konnte dieser Irrtum zumindest ausgeschlossen werden.

Friedrich Porges war bis kurz vor seinem Tod ständiger Mitarbeiter der Exilzeitschrift „Aufbau“. Unter der Rubrik „Man about Hollywood“ schrieb er seine Texte rund um das Geschehen Hollywoods.

1. FRIEDRICH PORGES

Friedrich Porges war geboren am 14. Juli 1980 in Wien und starb am 24 Januar 1987 in Los Angeles. Geboren als Sohn des Bankiers Ludwig Porges und Victoria Bing, studierte Friedrich Porges viereinhalb Jahre moderne Philologie an der Universität Wien. Schon während des Studiums interessierte sich Porges für die journalistische Arbeit und schrieb in Folge dessen für verschiedene Zeitschriften. Gleichzeitig betrieb er philosophische und literarhistorische Studien, bis er später als externer Mitarbeiter Theater- und Feuilletonredakteur der Tageszeitungen „Die Zeit“ und der „Morgen“. 1917 verfasste er als  Dramaturg bei der Filmfirma  „Sascha“ mehrere Drehbücher zu Stummfilmen, darunter:

Die Liebe eines Blinden (zusammen mit Fritz Freisler)

Der neue Tantalus

Das schwimmende Herz

1.1 FRIEDRICH PORGES: SEINE WERKE:

Ab 1921 führte er bei einigen Filmen selbst Regie:

Die Macht der Mary Murton mit Anita Berber 1921.

Der Marquis von Bolibar folgte nach einem Roman von Leo Peritz 1922

Die Tochter des Brigardiers (nach Alexander Dumas) 1922

Das verlorene Paradies 1923

Der Film im Film ebenfalls 1923

Adam und Eva (leider keine Zeitangabe)

Alles will zum Film mit Nora Gregor 1927, ist eines seiner bekanntesten Werke.

1922 war er neben seiner Regie-Tätigkeit weiterhin auch als Redakteur der Wiener Sonn- und Montagszeitung tätig. 1924 kehrte Porges nach einem zweijährigen Aufenthalt in Berlin, wo er als stellvertretender Chefredakteur des „Montagmorgens“ engagiert war, nach Wien zurück und redigierte die Zeitschrift „Bühne“.

1925 Friedrich Porges war Mitbegründer und bis 1938 Chefredakteur, der sehr populäre, Filmzeitschrift „Mein Film – Illustrierte Film- und Kinorundschau“. 1927 gab er auch „Mein Film-Buch“ heraus.

Neben seiner journalistischen Tätigkeit verfasste Porges auch einige Bücher:

Die Dramen:

Licht 1908

Die Helden 1909

Der tote Wille 1910

Einakt 1913

Der wunde Punkt 1917

Cherchez la femme ebenfalls 1917

Der Gast von anderswo 1918

50m Kinoweisheit 1919

Einbruch 1920

Romane und Erzählungen

Der Sprung ins Dunkel 1913

Die Liebe des Thomas Hill 1920

Das doppelte Ich 1921

Revolution 1924

Ein junger Mann sucht Abenteuer 1924

Don Juans Abweg 1925

Sie will zum Film 1926

Das Harry Liedke Buch 1928

Vom Film, von Filmstars und von Kinematographie 1928

Mensch in Fesseln 1930

Schatten erobern die Welt: Wie Film und Kino wurden, 1946 in Basel.

Fortissimo“ seinen vierzehnten Roman schrieb er erstmals neben deutsch auch in Englisch.

Sein Buch Schatten erobern die Welt lässt Interpretationsraum für den Inhalt. So könnte daraus geschlossen werden, dass er auf die Nazis anspielt. Tatsächlich aber handelt es sich wieder nur um die Geschichte des Films. Den Lesern sollte ein Blick hinter die Kulissen gewährt werden und es sollte ein Lehrfilm über die Entwicklung der Kinematographie sein. In einigen Szenen sind Regisseure bei Dreharbeiten zu sehen.

1.2 FRIEDRICH PORGES: SEIN LEBEN

Porges war ein erfolgsverwöhnter Journalist, Schriftsteller und Regisseur in Wien. Seine Wiener Wohnadresse lautete: 1090 Wien, Eisengasse 23 mit der Telefonnummer: A-17-3-72. Vor dem Nationalsozialismus konnten keine politischen Veröffentlichungen von ihm gefunden werden. Er war dem Film vergeben. Seine ganze Aufmerksamkeit richtete sich auf den Film. 1938 war Porges gezwungen Österreich aufgrund der politischen Umstände zu verlassen. Er konnte sich noch rechtzeitig retten und flüchtete via Zürich nach England und führte dort seine Arbeit als Journalist fort. Leider sind keine näheren Details wie etwa, Schwierigkeiten beim Erhalt eines Visums, oder der Erwerb der englischen Sprache, hatte er Unterstützung von Freunden und Familie in England, ging er alleine nach England oder konnten seine Familie sich ebenfalls in Sicherheit bringen.
Von seiner Frau Helene Matzner ist leider keine Rede. Es bleibt offen ob sie und die zwei Kinder, Stella und Erika ihn nach England begleiteten. Kamen die Kinder etwa in den Kindertransport? Es bleibt auch ein Fragezeichen ob seine Familie den Nationalsozialismus überhaupt überlebte?  Seine beiden Töchter wurden nur in einer einzigen Literatur erwähnt. Da er zwei Töchter hatte, besteht die Möglichkeit, dass sie nach einer Eheschließung den Namen geändert haben.

1943 emigrierte Porges nach Hollywood und begann seine jahrzehntelange Berichterstattung bei der Exilzeitschrift „Aufbau“ und arbeitete als Korrespondent für zahlreichen europäischen Zeitungen, Zeitschriften und Radiosendern, wie auch dem Filmmagazin des österreichischen Rundfunks. 1959 erhielt er den „Dimitri Tiomkin International Press Award“ für die beste Hollywoodstory des Jahres.  Die Hollywood Foreign Press Association wählte Porges erstmals 1948, später im Jahre 1954 und ein letztes Mal 1957 zum Präsidenten des Vereins.

Porges war gezwungen aufgrund eines Augenleides seine berufliche Tätigkeit nieder zu legen. Er war Mitglied des Austrian Section der Screen Writer’s Guild.

Friedrich Porges starb am 24. Januar 1978 in seinem Heim in Los Angeles und wurde im Hilside Memorial Park bestattet.

Sein Name steht auf der Entschädigungsliste der ICEP Untersuchung von 2001, seine Nachfahren wissen nun, dass sie berechtigt sind Forderungen zu stellen.

1.3 FRIEDRICH PORGES: DER HERAUSGEBER

1925 war Porges Mitbegründer und bis 1938 Chefredakteur der Wochen Zeitschrift „Mein Film – Illustrierte Film und Kinorundschau“.

Die Zeitschrift war 16 Seiten lang und kostete im ersten Jahr 40 Groschen, danach wurde sie auf 50 Groschen erhöht. Die Redaktion befand sich in A-1060 Wien, Mariahilferstraße 85.

Der Fokus lag wie der Titel schon sagt, auf den Film. Das Programm der Wiener Kinotheater war darin enthalten. Einen großen Teil widmete er der Vorstellung der Schauspieler und Schauspielerinnen. Da zum damaligen Zeitpunkt die Technik nur Schwarz-Weiß Filme erlaubte, entstand die Rubrik Steckbriefe. Hier wurde dem Leser neben den genauen Personalien der Filmlieblinge auch ihr Aussehen, ganz konkret, die Augen- und Haarfarbe bekannt gegeben.

Weiters gab es für Fans Tipps und Tricks wie man einen Star kennen lernt. Dem Leser wurden zusätzlich zahlreiche Möglichkeiten geboten, wie diesem Star begegnet werden muss, um seine Aufmerksamkeit zu gewinnen.

Porges selbst war ein großer Fan von Charlie Chaplin und verfolgte sehr genau seine Karriere, so waren regelmäßige Berichte über seine Filme zu lesen, aber auch Chaplins Privatleben wurde unter die Lupe genommen.

In der Rubrik „Briefe an den Herausgeber“ wurde Schauspielern Platz eingeräumt um ihre Meinung, die übrigens immer positiv ausfiel, über die Zeitschrift kundzutun. Conrad Veidt, schrieb: „...der Herausgeber der mit den meisten unserer beliebten Filmdarsteller in stetem besten Einvernehmen lebt und den einen oder die andere zu seinem Freundeskreis rechnen darf...“

In einer anderen Ausgabe wurden Schauspieler gefragt, ob sie selbst überhaupt ins Kino gehen. Schauspielerinnen wie Mady Christians und Lucy Doraine bekundeten ihre Vorliebe für die Kinofilme. Genauso wichtig war aber für die Schauspielerinnen auch die Arbeit der Konkurrenz gesehen zu haben.

Die Zeitschrift „Mein Film“ war so erfolgreich, dass Porges beschloss jährlich ein Filmbuch herauszugeben. „Mein Film-Buch“ wurde im „Mein Film“ Verlag, Film, Buch- und Zeitungsverlag der Illustrierten Film und Kino – Rundschau „Mein Film“ in 1060 Wien, Mariahilferstr. 85, herausgegeben. So schrieb er im Dezember 1926 im Vorwort des „Mein Film-Buch, dass nicht nur der Begriff Film behandelt wird, sondern auch die Entwicklung der Technik, die zum Film führt. So gab es eben regelmäßige Berichte über die Entwicklungsgeschichte der Kinematographie oder die Entstehung des Tonfilms. Weitere inhaltliche Punkte waren Portraits der Filmkünstler, ihre Entdecker, ihre bekanntesten Filme und ihre Wohnadressen. So konnte in Erfahrung gebracht werden, dass Charlie Chaplin in 1416 La Brea Ave, Hollywood, California wohnhaft ist.  Ein großer Wunsch der Leserschaft Porges ging somit in Erfüllung.

Porges wollte aber mit diesem Projekt, sowohl Kinofreunde als auch die Kinomacher ansprechen: Die Filmregisseure, da die Bilder und die Adressen der nationalen sowie internationalen Stars vorhanden waren. Die Filmkommerziellen konnten aus dem Filmbuch entnehmen welche Produzenten momentan führend sind. Weiters wurden Filmfirmen Österreichs, Filmgesellschaften mit Adressen vorgestellt. Der Filmschauspieler konnte über sachlich und persönlich interessantes informieren. Für all  diejenigen, die den Traum der Schauspielerei hegten, schrieb Porges einen Artikel, da etliche Personen an ihn herangetreten waren und ihn um seinen Rat gebeten hatten. Er beklagte, dass nun jeder zum Film will. Man müsse aber beachten ob überhaupt das nötige Talent und die nötige Kamerapräsenz vorhanden, wären. So warnte Porges nachdrücklich vor „Filmschulenschwindlern“, denn nach seiner Einstellung könne eine der Beruf des Schauspielers nicht in einer Schule gelernt werden. 

Auch im „Mein Film-Buch“ waren wieder prominente Vertreter der Filmindustrie vorhanden. Marlene Dietrich schrieb über ihre Filmtätigkeit in Hollywood, dass die Filmmetropole der Alleinherrscher ist, der unumschränkt regiert: „Eine eigenartige Stadt ist dieses Hollywood, nüchterne Wirklichkeit und märchenhafte Unwirklichkeit sind zu einer faszinierenden Einheit verschmolzen.“

Porges Bekanntschaften zu vielen Prominenten könnte mit unter, ein Grund dafür gewesen sein, dass er in Hollywood so rasch Fuß fassen konnte.

1.4 FRIEDRICH PORGES: DER KRITIKER

ES gibt leider kaum eine Biographie über Friedrich Porges die länger als eine A4 Seite ist. Doch gibt es genug Biographien über andere Exiljournalisten und –Schriftsteller, in denen Porges Name fällt. Porges hat viele Kritiken über Filme und literarische Werke  für den Aufbau geschrieben. Unter anderem schrieb er in eine Rezension über Hans Kafkas Opernlibretti Leonca und Lena beruhend auf Georg Büchners Stück. Darin lobte er Kafkas Werk als eine selbstständige literarische Schöpfung und ein überaus wirksames, von heiterer Lebendigkeit erfülltes Libretto für eine komische Oper. „Die Arbeit verrät die Hand des erfahrenen Dramatikers und ausgezeichneten Dialogschreibers. Kafka hat viel gedanklich Interessantes und satirisches Schlagfertiges beigetragen“.

Eine weitere Kritik schrieb Porges nach einem Gespräch mit Frederik Kohners über dessen Werk: „Kiki of Montparnasse ist eine originelle und literarisch bemerkenswerte Erzählung“.

Über Henry Kostners Filmkarriere schrieb Porges rückblickend: „Entscheidend für die Entwicklung seiner Laufbahn in Hollywood war allerdings der primitive Anfang auf dem Universal-Gelände gewesen. Denn dort schrieb Koster die Drehbücher für die ersten Filme, die nicht nur eine feste Position etablierten, sondern auch der Start für den Aufstieg einer jungen Schauspielerin und Sängerin bildeten: Deanna Durbin, die in den drei ersten von Koster geschriebenen und inszenierten Universalfilme „Three Smart Girls“, „100 Men and a Girl“ und „Three Girls Grow up“ die Hauptrolle spielte.“

In der letzten Kritik bezieht sich Porges darauf, dass alle Exilanten den Verlust ihres Status den sie in der Heimat hatten, mit einem Schlag verloren. Sie mussten, so auch Henry Koster von Null anfangen, manche schafften den Aufstieg, andere waren gezwungen einen anderen Beruf auszuüben.

1.5 FRIEDRICH PORGES: SEINE TÄTIGKEIT BEIM  AUFBAU

Die Exilzeitschrift „Aufbau“ wurde 1934 gegründet, und spiegelt die Geschichte der deutsch-jüdischen Emigration wider.

Für Exilanten bedeutete die Emigration der Verlust der Heimat und somit auch Verlust von Sicherheit und Geborgenheit. Für Journalisten und Schriftsteller kam noch der Verlust der Sprache und daher Verlust des geistigen Schaffens hinzu. Im Aufbau fanden viele der Exiljournalisten eine Möglichkeit das verlorengegangene wieder aufzunehmen. So auch Porges. Ab 1943 schrieb er regelmäßig für den Aufbau. Unter der Rubrik „Westküste“ erschienen seine Berichte rund um das Geschehen in Hollywood und natürlich auch über den Film und die mitwirkenden Schauspieler und Schauspielerinnen. Heute wie damals, entstehen Gerüchte über die Filmstars, wenn ihr neuester Film in die Kinos kommt- zwecks Propaganda. Porges ließ es sich nicht nehmen diese Erscheinung unter die Lupe zu nehmen, und schrieb über die weiblichen Exorzist Darstellerinnen die sich um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit ein Duell lieferten.

Leider konnten unter Porges Texte nur wenige gefunden werden, die politische Inhalte behandelten. Lediglich 1950 schrieb Porges in seiner gewohnten Rubrik „Rund um Los Angeles“, dass im Herzen der Stadt Los Angeles ein International Center eröffnet werden soll. Um das Zusammenleben der verschiedenen Ethnien die in Los Angeles leben, harmonischer und friedlicher gestalten zu können, sollte das Center, Lebensmittelgeschäfte aus allen Ländern eröffnet werden. Und die Restaurants würden mit den Speisen verschiedener Länder die Kunden locken. Ebenso waren Museen vorgesehen, um wertvolle nationale Gegenstände und Schätze auszustellen. Das dieses Projekt für Mexikaner, Indianer und Afrikaner funktionieren könnte, bezweifelte Porges nicht, aber gewisse „Elemente“ so schreibt Porges hätten sich in den letzen Jahrzehnten in Los Angeles angesammelt, die das Wort Frieden nicht kennen und ihre Vorbilder und Lehrer hätten dies in Mitteleuropa schon bewiesen. Porges klagt weiter, dass diese Leute das 100 jährige Bestehen von Los Angeles zum Anlass benutzt hatten um jüdische Tempel mit Hakenkreuzen zu beschmieren. Gleichzeitig drückte Porges den Amerikanern gegenüber seine Dankbarkeit für die Unterstützung aus.

Über die Filme der Nazis schrieb Porges, dass diese um Jahre in der Technik und Niveau zurückliegen.

Friedrich Porges schrieb für den Aufbau auch in englischer Sprache. Die Oscar Nacht und die Ereignisse der Nacht dokumentierte er für seine Leser auf Englisch.

2. BRIEF AN ROBERT NEUMANN

Am 28. Juni 1939 schrieb Porges von London aus (38, Priory Road, London N.W.6. MAI 7706), wo er Zuflucht gefunden hatte, einen Brief an Robert Neumann. Porges bat ihn um Unterstützung:


Sehr geehrter Dr. Neumann,

Wir haben einander wohl schon eine Ewigkeit nicht begegnet – ich bin seit neun Monaten in London, war vorher in Italien und in der Schweiz, nachdem ich  noch dreieinhalb Monate Hitlerherrschaft in Wien genossen habe -, aber ich nehme an, dass Sie sich meiner nicht erinnern können.

Ich richte diese Zeilen im Interesse Dr. Robert Weils an Sie. Er hatte im Februar von Ihnen die Auskunft bekommen, man würde seine Aufnahme in den P.E: N. –Club beantragen könne, wenn zwei Clubmitglieder für ihn einstehen. Nun möchte ich Dr. Weil, der nach England kommen will, gerne helfen. Ich war Mitglied der Wiener Sektion des P.E.N. – Clubs. Kann ich also ein Bürge sein? Ich will dann versuchen noch einen zweiten zu finden.

Es ist mir allerdings nicht ganz klar, ob der Klub, auch wenn Weil Mitglied geworden, ihm zu seiner Einreise hierher verhelfen kann. Ist es möglich, nach dieser Richtung hin Weil behilflich zu sein?

Darf ich Sie also um Ihre Auskunft bitten, damit ich dem Mann, der angeblich nur noch wenige Wochen in der Schweiz bleiben darf, Bescheid zu geben in die Lage komme?

Mit herzlichsten Grüßen

Ihr Friedrich Porges

Einen Brief des P.E.N. Clubs, sozusagen mit Auskunft über mich, zukommen lassen wollten.

Mit Dank und vielen herzlichen Grüßen

Ihr ergebener

Friedrich Porges

Dr. Robert Weil, über den wir seinerzeit korrespondierten, ist unterdessen über London nach New York gereist.

Exilanten versuchten sich so gut wie möglich unter einander zu unterstützen. So waren die Zeilen die Porges an Neumann richtete keine Seltenheit.

3. KORRESPONDENZEN ZWISCHEN MIMI GROSSBERG UND FRIEDRICH PORGES

Am 21. August 1968 kontaktierte Mimi Grossberg (81 Wadsworth Terrace, New York, N.Y. 10040) erstmals Friedrich Porges, um anzufragen ob er in dem von ihr verfassten Katalog für das Austrian Institute mit dem Titel „Austrian Writers in the United States 1938 – 1968“ für den ein Nachtrag geplant war, aufgenommen werden möchte. Dazu war die Ausstellung „Geschick und Leistung der österreichischen Emigranten von 1938 in den Vereinigten Staaten“ in Kooperation mit dem Austrian Forum organisiert.

Grossberg war Selbst eine Betroffene dieser Gruppe und musste während der Nazi-Herrschaft Österreich verlassen. In den USA fand sie ebenfalls ihre zweite Heimat. Sie engagierte sich besonders für dieses Projekt und hielt eine Rede über das Schicksal aber auch über das kreative Schaffen der österreichischen Exil- Poeten und Autoren.

Den Brief an Porges schickte Grossberg durch den „Aufbau“ an ihn, da keine Anschrift von ihm bekannt war.

Für den Katalog waren vor allem „schöne Literatur“ aber auch Studien von Interesse. Grossbergs Irrtum Porges Werk „Schatten erobern die Welt“ als Kurzgeschichte zu bezeichnen, stimmte Porges etwas ärgerlich:

Seine Antwort erfolgte am 2. September 1968 (12130 Hollygien Place, Studio City, California 91604, Tel: 763 – 1982):

...Ich danke Ihnen für Ihren Brief vom 21. August. Da ich in der vergangenen Woche wieder sehr beschäftigt war, komme ich leider erst heute dazu, ihn zu beantworten.

Das mit der „Kurzgeschichte“ ist natürlich Unsinn. „Schatten erobern die Welt“ war ein ausgewachsenes Buch. Der Irrtum kommt wohl daher, dass in dem Buch in unterhaltsamen, belletrischtischen Geschichten der Werdegang des Films erzählt wird. Es ist aber nicht aber nicht fachliche, sondern schöne Literatur.

Es stimmt freilich, dass nachher kein Buch mehr von mir herauskam, aber ich schrieb 1939 in London ein neues Hörspiel „Der Kuss in die Ferne“, das noch im selben Jahr in die Schweiz gesendet wurde. Ich hatte, wie Sie wohl wissen, früher eine ganze Reihe von Hörspielen geschrieben.

Meine literarische Tätigkeit setzte ich 1943 in Hollywood als Filmautor fort. Ich arbeite, auch als „script editor“, an etlichen Drehbüchern mit, in fast allen Fällen anonym. Auch beim Fernsehen war ich noch tätig. Bald nach dem Krieg jedoch begann ich als Hollywood-Korrespondent für europäische Zeitungen zu wirken. Und da sich meine journalistische Tätigkeit für zahlreiche Magazine, Tageszeitungen und Radiostationen enorm ausdehnte, fand ich einfach die Zeit und Konzentration nicht mehr, Bücher zu schreiben, und vorläufig sehe ich noch immer keine Möglichkeit diese Arbeit aufzunehmen, obwohl ich die Absicht habe es doch noch zu tun.

Meine Studien in Wien: Volksschule, Gymnasium (Döbling und Landstrasse) und viereinhalb Jahre moderne Philologie an der Universität Wien.


Auswanderungsstationen: 1938 von Wien nach London (via Zürich) und 1943 von London nach Hollywood.

Ich hoffe, dass Ihnen mit diesen Auskünften gedient ist und begrüße Sie bestens

als Ihr

Friedrich Porges

Mimi Grossbergs antwortete am 4. November und schickte Porges gleich einen Durchschlag (war in den Korrespondenzen leider nicht beigelegt) mit den Angaben zu Porges Person, mit der Bitte etwaige Lücken oder Fehlberichte zu korrigieren.

Der englische Katalog sollte nicht mehr ergänzt werden, aber die Ausstellung würde im Oktober 1969 im Rahmen der österreichischen Buchwoche in Wien gezeigt werden, schrieb Grossberg. Sie bat ihn in diesem Zusammenhang um zwei Adressen von Autoren die Porges eventuell kennen könnte, wie Paul Frank und George Froeschl  und richtete folgende Worte an Porges:

...Für jede kleinste Hilfe werde ich Ihnen besonders dankbar sein, denn diese Informationen brauche ich im Dienst der Angelegenheit „Eure Literatur“ und sie werden in vielen Ländern zur Ergänzung des bereits vorhandenen Materials dienen. Ich selbst arbeite ohne Bezahlung, daher halte ich mich für berechtigt, auch andere um ihre Unterstützung zu ersuchen. Dies liegt ja in unser aller Interesse. – Ich weiß, Sie sind sehr beschäftigt, ich hoffe aber, dass Sie mir Nachrichte, deren Ausfindigmachen Ihnen keine Schwierigkeiten bereitet, mir zwei Zeile mitteilen werden! Vor allem auch etwaige Korrekturen oder Ergänzungen des Absatzes über Sie.

Friedrich Porges am 18. November 1986:

...Verzeihen Sie mir bitte, dass ich erst heute dazu komme, Ihren Brief zu beantworten. Aber die jüngsten zehn Tage waren voll Arbeit, Pressekonferenzen, Filmpremieren etc. Und dann die Berichterstattung. Es war „atemberaubend“!

Hier sind die verlangten Adressen:

Mr. Paul Frank: 1517 N. Orange Grove, Los Angeles 46, California

Dr. George Froeschl: 1146 San Ysdiro Drive. Beverley Hills, California

Anbei ist der Durchschlag (leider nicht vorhanden) der biographischen Angaben mit zwei Korrekturen:

„Seither lebt er( als Filmautor und „Script doctor“ bitte wegzulassen!) in Hollywood“. (Am Ende schreiben Sie ja „anonyme Mitarbeit in Hollywood“ und so ist es richtig.)

Was meine Artikel im AUFBAU betrifft, so sind sie nicht „fast“ regelmäßig, sondern sehr regelmäßig, da ich doch die „Westküste“ – Beilage von Los Angeles und Hollywood her mit dem Material versorge, das heißt mit Berichten und Artikeln. Also, „fast“ bitte wegzulassen.

Sie Brauchen sich bei Frank und Froeschl keineswegs auf mich zu berufen. Die fragen sonst noch bei mir zu. Und Sie können doch, worum es geht, besser erklären, als ich!

Mimi Grossberg Antwort am 2.1. 1969 und bedankte sich für die Adressen. Der Direktor des Austrian Institute in New York (Adresse: II East 52nd Street, New York 10022) Dr. Gottfried Heindl, bräuchte für den Katalog ein Portraitfoto und eine sogenannte Manuskriptseite, um die Art und Weise wie Porges arbeitet, zu illustrieren. Heindl stellte die Anstellungstafeln her- und auf jeder sind ein Foto, eine Manuskriptseite und die aus dem Katalog ausgeschnittenen bibliographischen Notizen. .

Friedrich Porges antwortet am 31. Januar 1969:

...Eigentlich wollte ich gleich nach Erhalt Ihres Briefes von anfangs Januar an Sie schreiben, aber dann kamen so viele Sonderaufträge für mich von meinen europäischen Zeitungen, das alles andere einfach liegen bleiben musste.

Ich habe jedoch eine dringende Bitte an Sie zu richten: Beim Nachlesen der Kopie meines Briefes mit den Informationen für Sie hatte ich in bezug auf meine Tätigkeit als Filmschriftsteller darüber geschrieben, dass ich außer der Arbeit der eigenen Manuskripte auch für Kollegen Mitarbeit leistete. Dabei hatte ich das Wort „anonym“ gewählt. In den Anmerkungen, die Sie dann für den Katalog schrieben, hatten Sie das von dem „Doktern“ übernommen und Sie ließen das dann hoffentlich auf meine Bitte fort. Ich finde nun aber nachträglich, dass auch das Wort „anonym“ schlecht und irreführend klingt, das ich gewählt hatte. Und ich wäre Ihnen deshalb sehr verbunden, wenn Sie anstelle des bisherigen Textes einfach angeben würden, dass ich an Filmdrehbüchern mitarbeitete, und das Wort „anonym“ weglassen würden. Es liegt mir viel daran, dass das Wort entfernt wird. Vielleicht schicken Sie mir, wenn das möglich ist  und Ihnen nicht zuviel Umstände macht, doch noch einmal jene Kopie Ihrer Angaben. Und ich kann das Ganze noch richtig redigieren. Das erste Mal war ich in großer Eile, als ich die Kopie durchging. Kommen diese Daten übrigens auch in den englischen Katalog oder nur in den deutschen?

Zweitens: das Material für das Austrian Institute. Ein kleines Portrait –Foto habe ich, nur das mit der Manuskriptseite ist etwas kompliziert. Ich habe natürlich die früheren Manuskripte nicht mehr. Meine Art Belletristisches zu schreiben, ist: auf kleinen Blättern in Handschrift. Die einzige Möglichkeit wäre, ein Manuskript-Blatt aus meinen „Erinnerungen“ dazuzugeben, an denen ich jetzt von Zeit zu Zeit schreibe, wenn ich etwa ein paar Stunden dafür finde.

Es ist mir peinlich, dass ich Herrn Dr. Heindl noch nichts geschickt habe. Aber das wird sofort nach Erhalt Ihrer Antwort geschehen.

Haben Sie übrigens in Ihren bibliographischen Angaben „Der tote Wille“, „Schritt ins Dunkel“, „Die Liebe des Thomas Hill“, „Mensch in Fesseln?“

Am 4. Februar schrieb Mimi Grossbergs laut den vorliegenden Korrespondenzen das letzte Mal an Friedrich Porges. Das ausgebesserte Blatt schickte sie ihm ebenfalls wie verlangt nochmals ein, und strich das Wort anonym auch durch. Doch die zwei Arbeiten Porges mit den Titeln „Der tote Wille“ und „Schritt ins Dunkel“ waren Grossberg fremd. Da er auch keine Zeitperiode genannt hatte konnte sie diese nicht mehr mit in die Arbeit hineinbeziehen. Noch einmal musste Grossberg Porges bitten das Foto und die Manuskriptseite an Dr. Heindl zu schicken, da es bereits viel zu spät dafür war.

Der entgültige Auszug über Friedrich Porges im deutschem Katalog den Mimi Grossberg Friedrich Porges zugeschickt hatte, liegt zwar vor, wird hier aber nicht wie die Korrespondenzen 1:1 übernommen, da die darin enthaltenen Informationen bereits erwähnt wurden!

3.1 Analyse der Korrespondenzen

Wie schon in der Einleitung erwähnt, wurden die Teile der Korrespondenzen zwischen Mimi Grossberg und Friedrich Porges deswegen mit in die Arbeit einbezogen, da ein Teil vom Mensch Friedrich Porges selbst mit in die Arbeit einbezogen werden sollte. Ein weiterer Grund ist natürlich, dass somit gewisse Informationen, die zuvor nicht gewiss waren, hierdurch vollste Bestätigung fanden.

Zum Beispiel sein erster Antwort-Brief vom 2. September an Mimi Grossberg. Er schreibt, dass er wieder sehr beschäftigt ist. In der Literatur war oft zu lesen, dass Exil-Journalisten keine oder weinig Chancen hatten in der Fremde ihren Beruf fortzusetzen. Friedrich Porges ist ein gutes Beispiel, dass es einigen österreichische Journalisten gelang auch im Exil Fuß zu fassen, und weiterhin erfolgreich ihren Beruf ausüben konnten. Allerdings muss dazu gesagt werden, dass Porges keine sprachlichen Barrieren überbrücken musste. Seinen letzten Roman, „Schatten der Leidenschaft“ hat er sowohl in deutscher als auch englischer Sprache verfasst.

Eine weitere wertvolle Information stellt seine Tätigkeit als „script doctor“ dar. Sie ist vor allem deswegen wertvoll, weil er wie er selbst schreibt, anonym gearbeitet hat, und somit sein Name nirgends erscheint. Daher ist leider auch nicht bekannt an welchen Filmen er mitgearbeitet hat.

Im Brief vom 18. November wird ein zweites Mal klar, dass Porges in Hollywood ein vielbeschäftigter Journalist ist und dass die viele Arbeit wohl auch genießt, oder wie er selbst schreibt, „atemberaubend“ findet.

Ein weiterer wesentlicher Punkt, der hier zum ersten Mal Beachtung geschenkt werden sollte, ist seine Sorge um eine sorgfältige und detaillierte Beschreibung zu seiner Person.

Am 31. Januar schreibt Porges wieder an Grossberg. Auch hier schreibt er wieder wie beschäftigt er ist. Porges bitte ein zweites Mal Grossberg Wörter zu streichen, die er selbst über seine Tätigkeit gewählt hatte, wie zum Beispiel, das Wort „anonym“.

4. ZUSAMMENFASSUNG

Für eine genaue Recherche der Eckdaten über Friedrich Porges Arbeiten aber vor allem sein Leben nach Österreich wäre ein Aufenthalt in Los Angeles und New York sinnvoll und aufklärend. In den Korrespondenzen mit Mimi Grossberg schrieb Porges zum Beispiel, dass er an seinen Erinnerungen arbeitet und schickte sogar eine Manuskript-Seite an das Austrain Institute. Leider blieben diese Erinnerungen bis zum heutigen Datum unveröffentlicht. Fragen die noch unbeantwortet bleiben, können nur Friedrich Porges selber, oder seine Nachfahren beantworten. Es ist sehr verblüffend, warum es so wenig Literatur über sein Leben gibt? Warum hat bis heute niemand versucht sein Leben zur rekonstruieren? Unglücklicherweise hat die Redaktion des Aufbaus auf die E-Mails für die vorliegende Arbeit nicht reagiert.

Friedrich Porges war ein äußerst aktiver Mann und hat bis kurz vor seinem Tod noch gearbeitet. Er hatte sich dem Film verschrieben, und blieb dem auch bis auf wenige Ausnahmen treu. Das mag wohl auch der Grund dafür sein, dass nur einzelne Texte in denen er sich politisch äußerte, gefunden werden konnten.

Wie es den Anschein hat könnten seine guten Beziehungen zu prominenten Menschen in Hollywood dazu beigetragen haben, keine beruflichen Hindernisse überbrücken zu müssen. Dies sind natürlich nur Vermutungen, die Antworten bleiben uns Porges Memoiren schuldig...

LITERATURVERZEICHNIS

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Doraine, Lucy; Christians, Mady: Briefe an den Herausgeber. In: Mein Film. Illustrierte Film- und Kinorundschau. 1926, Nr. 7, S. 3

DÖW: Ulrich, Rudolf: Österreicher in Hollywood. Ein Beitrag zur Entwicklung des amerikanischen Films. 1. Auflage Wien 1993, österreichische Staatsdruckerei, S. 225

DÖW: Unterstützungsansuchen österreichischer Emigranten in England an Robert Neumann um Geldzuweisungen. Karteikarten 7246, Juni 1939

„Friedrich Porges“. In: Stadt Wien, Nr. 59, 27.7.1966, S. 5

Horak, Jan Christopher: Fluchtpunkt Hollywood: Eine Dokumentation zur Filmemigration nach 1933. Münster – Maks Publikationen, 1986, S. 118

Porges, Friedrich: „Henry Koster – 60 Jahre. Und seit über 35 Jahre beim Film.“ In: Aufbau (NY), XXXI, Nr. 18, 30. April 1965, S. 24f.

Porges, Friedrich: „Jugenderinnerungen an Kiki“. In: Aufbau (NY), XXXIII, Nr. 51, 22. Dezember 1967, S. 57

Porges, Friedrich: Man about Hollywood. Reporting. In: Aufbau. Die Westküste. New York, Januar 1943, Vol. XV, Nr. 2, S. 17

Porges, Friedrich: Opern-Uraufführung in Los Angeles. „Leonce und Lena“ von Eric Zeisl. In: Aufbau (NY), XVIII, Nr. 22, 30. Mai 1952, S.13

Porges, Friedrich: Rund um Los Angeles. In: Aufbau. Die Westküste. New York 22. September 1950, Vol. XVI, Nr. 38, S. 19f.

Porges, Friedrich: Vom Chef zur sterbenden Wildnis. In: Die Zeitung. London 21. April 1943, Vol. IIV, Nr. 320, S. 6

Porges, Friedrich: Vorwort des Herausgebers. In: „Mein Film-Buch“. Wien 1927, S. 3 – 6 und 383

Porges, Friedrich: Vorwort des Herausgebers. In: „Mein Film-Buch“. Wien 1928, S. 3 - 6

Porges, Friedrich: Zum Film wollen...In: „Mein Film-Buch“. Wien 1932, S. 25 – 36

Porges, Friedrich: Zwischenfall beim Teufel. Man about Hollywood. In: Aufbau. Die Westküste. New York März 1974, Vol. XL, Nr. 13, S. 26

Mack, Gerhart: Frederic Kohner. In: Spalek, M. John; Strelka, Joseph (Hg.): Deutschsprachige Exilliteratur seit 1933. 1. Kalifornien, Teil 1, Berlin und München 1967, S. 768

Meierdorff, Marta: Henry Koster. In: Spalek, M. John; Strelka, Joseph (Hg.): Deutschsprachige Exilliteratur seit 1933. 1. Kalifornien, Teil 1, Berlin und München 1976, S. 777

ÖNB (Katalog) Mikrofilm: Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933. Vol. 2. 1983, S. 565

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Österreichisches Literaturhaus, Exilbibliothek: Horak, Jan-Christopher: Fluchtpunkt Hollywood. Eine Dokumentation zur Filmemigration nach 1933. Münster: MAKS Publikationen, 1984, S. 2 – 36

Österreichisches Literaturhaus, Exilbibliothek: Korrespondenzen zwischen Mimi Grossberg und Friedrich Porges

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Veidt, Conrad: Briefe an den Herausgeber. In: Mein Film. Illustrierte Film- und Kinorundschau. 1926, Nr. 3, S. 5

Röder, Werner; Hannuah, Caplan (Hg.): Biographisches Handbuch der Emigration nach 1933. The arts, sciences and literature A-Z. Herausgegeben vom Institut für Zeitgeschichte München (u.a.) Saur 1983, S. 920

Zohn, Harry: Franz Kafka. In: Spalek, M. John; Strelko, Joseph (Hg.): Deutschsprachige Exilliteratur seit 1933. 1. Kalifornien, Teil 1, Berlin und München 1976, S. 425f.

Internet:
http://www.crt-ii.org/